BURSITIS CALCAREA
und
 Bursitis bicipitoradialis (Bursitis bicipitalis)

Der Begriff

Der Begriff Bursitis steht für die En tzündung eines Schlei mbeutels. Als Bursitis calcarea wird eine Schleimbeu telentzündung im Bereich der Schul ter bezeichnet, bei der das umliegende Sehnengewebe Kalkablagerungen (= calcarea) aufweist. Die Bursitis calcarea ist eine relativ häufige Erkrankung und fällt in den Bereich der klassischen Schul terbeschwerden. Im Volksmund wird die Bursitis calcarea auch als „Kalkschul ter“ bezeichnet.

Die Symptome (= Krankheitszeichen)

Die Bursitis calcarea ist durch sehr starke Schmerzen im Bereich der Schul ter in Verbindung mit massiven Bewegungseinschränkungen gekennzeichnet. In seltenen Fällen treten nachts auch ein sehr starker Ruheschmerz auf mit Unfähigkeit den Ar m zu bewegen (Pseudolähmung). Die ursächlichen Kalkablagerungen machen fortan jede Bewegung zur Qual. Je mehr der bei der Bursitis calcarea ins Gewebe eingelagerte Kalk aufbricht desto größer ist die Wahrscheinlichkeit dass die Bursitis calcarea von zusätzlichen akuten entzündlichen Veränderungen des umgebenden Gewebes begleitet wird.

Das Schul tergelenk (Articulatio humeri) ist das beweglichste Gelen k des Körpers. Dabei gleitet der Kopf des Oberarmknochens in der Schul terpfanne. Damit die K nochen nicht aufeinander reiben, sind beide mit Knorpelmasse überzogen. Die Pfanne ist insgesamt jedoch viel zu klein für den großen Kopf. Nur eine komplizierte Anordnung der Muskeln gibt dem Gelen k seine Stabilität. Daraus ergibt sich eine besondere Anfälligkeit gegenüber schmerzhaften Erkrankungen, Verdrehungen und Verrenkungen.

Schmerzen im Bereich der Schul ter deuten also nicht unmittelbar sofort auf eine Bursitis calcarea. Eine entsprechende Diagnose durch einen Facharzt ist somit unerläßlich. Spätestens anhand einer Röntgenaufnahme kann die Bursitis calcarea allerdings anhand der deutlich sichtbaren Kalkablagerungen auf dem Röntgenbild erkannt werden.

Allgemeine Ursachen für eine Bursitis:

Die Ursache der Bursitis calcarea ist eine übermäßige Abnutzung. Unterhalb des Knochens, der das Schulterdach bildet, hat der Mensch einen Schwachpunkt. Dort wird bei jeder Hebebewegung des Armes eine Seh ne am Kn ochen gerieben und das ausgerechnet in einem Bereich, der ohnehin schlecht durchblutet ist. Folglich begünstigen übermäßige Belastungen der Schulter, Überkopfarbeiten und chronische Fehlhaltungen die Ausbildung einer Bursitis calcarea.
Als Reaktion auf diese Belastungen lagert dann das Sehnengewebe der Rotatorenmanschette unter dem Schulterdach Kalk ein. Dieser Kalk ist chemisch und biologisch anders als der Kalk des Rauchers im Raucherbein oder im Hirn bei Durchblutungsstörungen. Es ist eine Kalkform, die in der Konsistenz wie Zahnpasta ist. Sie kann ab- und aufgebaut werden und auch ganz spontan wieder verschwinden. Sehr viele Menschen haben diesen Kalk, ohne jemals etwas davon zu merken. Erst das Aufbrechen dieses Kalks bzw. die übermäßige Reizung der umliegenden Sch leimbeutel führt zu der schmerzhaften Bursitis calcarea.

Auch geht der Bursitis calcarea häufig ein Engpaßsyndrom (Impingement) ursächlich voraus.

In vielen Fällen wird die Bursitis calcarea von einer der nachstehend beschriebenen Erkrankungen begleitet:  

Die Therapie der Bursitis calcarea

Zunächst können Schmerzmittel, Salben, Kryotherapie (Kälteanwendung) und Ruhe verordnet werden. Meistens verringern sich dann die Schmerzen innerhalb von wenigen Tagen. Wenn die Schmerzen extrem sind, kann auch eine Injektion mit Lokalanästhetika in das Gewebe unter dem Schul terdach oder in die schmerzenden Sehnen bzw. Mus keln Erleichterung bringen. Wenn die akute Phase abgeklungen ist folgt Krankengymnastik um die meist eingeschränkte Beweglichkeit der Schul ter wieder herzustellen.

Wenn nach einigen Wochen oder Monaten anhaltende Schmerzen oder Bewegungsstörungen bleiben, wird versucht den Kalk der Bursitis calcarea operativ zu entfernen. Dies erfolgt durch die sog. minimal-invasive Chirurgie(„Knopflochchirurgie“ bzw. arthroskopische Ausräumung). Dabei wird auch mehr Platz unter dem Schul terdach geschaffen.

Es gibt  Versuche, den Kalk der Bursitis calcarea mit Ausspülungen  zu beseitigen oder auch durch Ultraschallzertrümmerung von außen, ähnlich der Behandlung bei Nierensteinen. Diese Verfahren sind aber noch in der Versuchsphase und haben ihre klinischen Erfolge noch nicht belegt.

Spezielle Schmerztherapie bei Bursitis calcarea

Nicht selten verbleiben trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin Schmerzen, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach dem Schmerz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Ein länger bestehender Schmerz, auch infolge einer Bursitis calcarea, erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Bei einer schmerzhaften Bursitis calcarea sind dies: 

  1. Information über die Erkrankung

  2. Medikamentöse Behandlung (u.a. Schmerzmittel, schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)

  3. Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, auch kontinuierlich mit Katheter  

  4. Akupunktur

  5. Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)

  6. Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)

  7. Physiotherapie (Krankengymnastik und Anwendungen) bei Funktionseinbußen

Der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit Lokalanaesthetika) fällt in der Behandlung chronischer, entzündlich bedingter Schmerz en, und damit auch bei einer Bursitis calcarea, eine herausragende Rolle zu.
Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

In der akuten (= plötzlich einsetzend, heftig u. von meist kürzerer Dauer) Phase einer Bursitis kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße. Der Organismus versucht u.a. auf diese Weise mit dem entzündlichen Geschehen fertig zu werden, in dem die im Blut vorhandenen Abwehrmechanismen am Entzündungsort vermehrt einwirken können. 
Eine chronisch e Bursitis geht aber mit einer Verengung der versorgenden Blutgefäße einher, es liegt also eine verminderte Durchblutung vor, die zu einer Herabsetzung des Stoffwechsels führt.

Eine Behandlung kann deshalb nur dann erfolgreich sein, wenn es gelingt, wieder gute Durchblutungsverhältnisse herbeizuführen.

Bei der Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel (Infiltration, Nervenblockaden) kommt es für die Wirkzeit des Medikaments neben der gewünschten Schmerzstillung durch gleichzeitige Blockade vegetativer (= das unwillkürliche Nervensystem betreffender) Nervenfasern auch zu einer Sympathikolyse (= Unterbrechung bzw. Aufhebung der Sympathikuswirkung und damit Blutgefäßerweiterung) und damit zu einer deutlichen Verbesserung der Durchblutung und unter einerguten Durchblutung heilen En tzündungen sicher ab.
In der Regel reicht eine solche Behandlung aber nicht aus, wenn sie nur in größeren Zeitabständen durchgeführt wird, sondern es ist eine engmaschige, gehäufte Abfolge erforderlich, optimal kontinuierlich mit eingepflanztem Katheter. Dabei wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen (den Schmerzbereich versorgenden) Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden.

Im Falle der Bursitis calcarea kommt die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis zur Anwendung, der Katheter wird bei dieser Erkrankung interskalenär (= im seitlichen Halsbereich) eingepflanzt.

Die Bursitis bicipitoradialis, auch Bursitis bicipitalis genannt, bezeichnet eine Schleim beutelentzündung nahe am Ellen bogen, zwischen Tuberositas radii und Bizepssehne. Diese Bursitis ist Salbenverbänden besser zugänglich als die Bursitis calcarea. Auch die Jontophorese (= Einschleusen von Arzneimittel durch die Haut mittels Strom) mit z.B. Voltaren® kann hilfreich sein. Bei anhaltenden Scherzen ist auch hier die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis sehr hilfreich.

 

 

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